Bereits kleine Kinder lernen, dass wir für vieles im Alltag Geld ausgeben müssen. Sie sehen Mami oder Opa an der Kasse bezahlen oder geben später ihr eigenes Taschengeld aus. Dabei erfahren sie, welchen Preis die unterschiedlichsten Dinge haben. Viel weniger offensichtlich ist dagegen der Preis für Licht im Kinderzimmer oder eine schöne warme Dusche. Wenn wir heute duschen, sehen wir die Stromrechnung erst Monate später und Kinder bekommen das oft gar nicht mit. Wie viel hat also die warme Dusche von heute Morgen gekostet? Kaum jemand weiss das genau, und deshalb werden diese Ausgaben im Alltag häufig wenig beachtet. Wer sie sichtbar macht, fördert jedoch einen achtsamen Umgang mit Ressourcen, schont das Portemonnaie und trägt zur finanziellen Bildung des Nachwuchses bei.

Verständnis für «unsichtbare Kosten»: ein wichtiger Baustein für später

Doch nicht nur die Kosten für Strom oder Heizung sind für Kinder unsichtbar. Auch Rechnungen für Internet, den Bibliotheksausweis, Streaming-Abos, Versicherungen sowie Radio- und Fernsehgebühren bekommen die wenigsten Kinder und Jugendlichen zu sehen. Dies hat sich im Zeitalter digitaler Rechnungen und automatischer Zahlungen noch verstärkt.

Hinzu kommt, dass es zunehmend leichter wird, Geld im Internet auszugeben. Häufig kann man weder das Gekaufte noch das Geld physisch greifen, es ist «einfach weg». Das macht es schwieriger, ein Gefühl für die Kosten zu entwickeln, umso mehr für Kinder und Jugendliche.

Unsichtbare Kosten haben viel damit zu tun, dass man gar nicht mehr sieht, was man zahlt.
Noëlle Müller, Executive Assistant bei Young Enterprise Switzerland

Indem Sie solche Kosten aktiv thematisieren und transparent machen, helfen Sie Ihren Kindern, verantwortungsvoll zu konsumieren und Ausgaben realistischer zu planen. Das ist eine wichtige Grundlage, um später gut budgetieren zu können, das eigene Geld im Griff zu haben und sich vor Verschuldung zu schützen.

Alltagssituationen nutzen, um über unsichtbare Kosten zu sprechen

Am leichtesten erklären Sie versteckte Kosten an konkreten Alltagssituationen. Zum Beispiel können Sie, anstatt den Bibliotheksausweis einfach zu erneuern, kurz vor Ablauf dessen am Familientisch gemeinsam ausrechnen, was der Ausweis pro Woche oder Monat kostet. Überlegen Sie, wie häufig Sie Bücher und Medien ausleihen und ob Sie den Ausweis gern verlängern möchten.

Auch die Kosten rund ums Wohnen können Sie gemeinsam anschauen: Zum Beispiel können Sie beim Zähneputzen mit Ihrem Kind überlegen, warum es besser ist, den Wasserhahn zwischendurch zuzudrehen, um Wasser und Geld zu sparen. Oder Sie achten gemeinsam darauf, das Licht auszuschalten, wenn niemand im Zimmer ist, und erklären, dass dadurch Strom und Kosten gespart werden.

Gerade bei Energieausgaben ist es zudem spannend, zu erklären, dass die Kosten – im Gegensatz zum Bibliotheksausweis – weder fix noch pauschal sind: Der Preis an sich schwankt, und es kommt auch auf den eigenen Verbrauch an.

Die Chancen stehen zudem nicht schlecht, dass Ihr Kind zu Themen wie beispielsweise Strom und Wasser früher oder später etwas im Kindergarten oder in der Schule lernt und selbst Fragen stellt. Nutzen Sie solche Lernfenster für die Finanzbildung Ihres Kindes. So entwickelt es schrittweise ein Gefühl dafür, dass es viele unsichtbare Kosten im Alltag gibt und fast alles, was wir konsumieren, einen Preis hat.

Situationen im Alltag sind superwichtig, um Lerneffekte zu erzeugen und Verständnis aufzubauen.
Johanna Aebi, CEO bei Young Enterprise Switzerland

Kleinen Kindern unsichtbare Kosten erklären: So klappt’s

Sie können Kinder schon ab dem Vorschulalter, also zwischen 1 und 3 Jahren, für Kosten im Alltag sensibilisieren. Bitten Sie Ihr Kind beispielsweise, das Licht zu löschen, wenn es das Zimmer verlässt, und den Wasserhahn gleich nach dem Händewaschen wieder abzustellen.

Generell lernen Kinder am besten über die Sinne. Deshalb ist es besonders hilfreich, wenn Sie versteckte Kosten sichtbar machen. Erklären Sie zum Beispiel: «Strom für Licht kostet Geld. Wenn wir das Licht sehen, kostet es etwas.» Oder visualisieren Sie Prinzipien wie den Wasserverbrauch oder das Heizen mithilfe von Rollenspielen oder Zeichnungen.

Ab dem Kindergartenalter, mit etwa 4 oder 5 Jahren, können Sie Kinder zudem in den finanziellen Alltag miteinbeziehen: Schreiben Sie beispielsweise zusammen die Einkaufsliste und sehen Sie sich im Laden die Preisschilder sowie nach dem Einkauf den Kassenzettel an.

So können Sie auch gleich noch das Thema Lebensmittelverschwendung besprechen: Hat Ihr Kind den Kassenzettel gesehen, versteht es besser, dass weggeworfene Lebensmittel im Grunde weggeworfenes Geld bedeuten.

Ältere Kinder in die Budgetplanung miteinbeziehen

Ältere Kinder ab der Mittelstufe (9–11 Jahre) können bereits komplexere unsichtbare Kosten verstehen. Besonders greifbar wird dies, wenn Sie sie in die Haushaltsplanung und Budgetierung miteinbeziehen.

Ein idealer Aufhänger dafür ist der Jugendlohn. Damit erleben Jugendliche, was das Leben kostet, und tragen einen wichtigen Teil ihrer Ausgaben selbst. Am besten unterstützen Sie Ihr Kind bei der Planung und erstellen das erste Budget gemeinsam. Eine gute Gelegenheit, sich auch «unsichtbare» Kosten wie für Miete und Krankenkasse genauer anzusehen.

Ab dem Oberstufenalter, also mit etwa 12 bis 14 Jahren, ist es zudem ratsam, auch Ausgaben für digitale Angebote wie Streaming-Abos oder --äܴڱ zu thematisieren: Besprechen Sie mit Ihrem Kind, wie diese Transaktionen funktionieren und welche Risiken bestehen.

Häufige Fragen rund um unsichtbare Kosten im Familienalltag

Fazit: unsichtbare Kosten sichtbar machen, Finanzkompetenz stärken

  • Unsichtbare Kosten werden oft übersehen. Nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene achten selten auf die tatsächlichen Kosten von Strom, Heizung oder Streaming-Abos.
  • Kinder lernen am besten durch aktive Einbeziehung in Finanzthemen. Nutzen Sie dazu alltägliche Situationen wie die Erneuerung eines Abos oder eingehende Rechnungen.
  • Bereits bei kleinen Kindern kann das Verständnis für unsichtbare Kosten spielerisch gefördert werden, am besten über Visualisierungen.
  • Ältere Kinder können in die Haushaltsplanung einbezogen werden und beim Einkaufen mithelfen und lernen.
  • Der Jugendlohn ist ein hilfreiches Modell, um Finanzkompetenzen rund ums Budgetieren und Priorisieren zu fördern und Verschuldung vorzubeugen.

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