Bis jetzt hat die Weltwirtschaft die Krise im Mittleren Osten relativ gut verkraftet, zumindest wenn man den aktuellen Wirtschaftsindikatoren Glauben schenkt. Auch die Berichtssaison bietet kaum Grund zur Sorge: Die gemeldeten Unternehmenszahlen sind solide und übertreffen im Schnitt die Erwartungen der Analystinnen und Analysten.

Also viel Lärm um nichts? Wohl kaum. Denn, obwohl der Konflikt bis jetzt kaum volkswirtschaftliche Konsequenzen gehabt hat, nimmt das Risiko für eine Konjunkturverlangsamung mit zunehmender Dauer des Konfliktes zu. Die strategischen Ölreserven sind vielerorts bereits stark gesunken und sollten sich die Ölexporte durch die Strasse von Hormus nicht bald erholen, dürfte es in absehbarer Zukunft zu Angebotsreduktionen kommen. Exponiert ist insbesondere auch Europa, der wichtigste Handelspartner der Schweiz. Europa ist vergleichsweise stark auf Energieimporte angewiesen und hat aufgrund der Sanktionen gegen Russland bereits eine wichtige Bezugsquelle verloren.

Die teilweise hitzigen politischen Diskussionen rund um den Konflikt im Iran zeigen auch, wie schnell Energie zu einem Nadelöhr werden kann. Die Sicherstellung des Zugangs zu Energie trifft ganze Staaten, und damit auch Unternehmen, Haushalte und Investoren. Genau deshalb ist «Energie und Ressourcen » mehr als ein Schlagwort: Es geht um strategische Investitionen, die die künftige Versorgungssicherheit garantieren (Stichwort Versorgungssicherheit) und sicherstellen, dass Energie bezahlbar bleibt (Erschwinglichkeit); aber auch darum, die Transformation von fossilen Brennstoffen hin zu erneuerbaren, sauberen Energiequellen voranzutreiben (Sauberkeit).

Viele der spannendsten Investitionschancen sehen wir darum nicht nur direkt bei fossilen Brennstoffen oder Solarpanels, sondern bei all jenen Firmen, die dazu beitragen, dass Länder ihren Mix zwischen Versorgungssicherheit, -erschwinglichkeit und -sauberkeit optimieren können. Dazu benötigt wird eine Vielzahl von Technologien wie beispielsweise Netztechnik, Transformatoren, Schaltanlagen, Kabel, Leistungselektronik, Mess- und Regeltechnik etc. Zahlreiche Unternehmen aus verschiedenen Sektoren stellen die Infrastruktur zur Verfügung, die es ganzen Ländern und Regionen erlaubt, mehr erneuerbare Energie einzuspeisen, zu verteilen und zu speichern, Energieengpässe und Ausfallrisken zu reduzieren und sogar Energiepreise zu senken. Wer den Energiemarkt robuster, effizienter und digitaler macht, wird damit auch dazu beitragen, dass die heimische Wirtschaft kompetitiver wird.

Mit der künstlichen Intelligenz dürfte die Nachfrage nach Elektrizität noch weiter steigen. Rechenzentren brauchen Energie – nicht irgendwann, sondern jetzt: für Server, Kühlung und leistungsfähige Netzanschlüsse. Die Internationale Energieagentur (IEA) erwartet, dass sich der weltweite Strombedarf von Rechenzentren bis 2030 auf rund 945 Terawattstunden erhöhen könnte, was mehr als eine Verdoppelung im Vergleich zu heute bedeuten würde. Energieversorgung und digitale Infrastruktur können nur zusammen wachsen, was die Bedeutung eines nachhaltigen und umfassenden Ausbaus der Energieinfrastruktur weiter verdeutlicht.

Was bedeutet das für Anleger? Wir halten das Thema Energie und Ressourcen nicht für einen kurzfristigen Hype – es ist ein strategisches Thema mit mehreren Treibern: Geopolitik und Versorgungssicherheit, der Umbau zur saubereren, zuverlässigen und effizienten erneuerbaren Energie sowie der Energiehunger der Digitalisierung, Automatisierung und Elektrifizierung. Für Anleger in der Schweiz kann eine diversifizierte Positionierung entlang der Wertschöpfungskette (Infrastruktur, Versorger, ausgewählte Rohstoffe) ein lukrativer Weg sein, daran teilzuhaben. Schwankungen wird es aber auch in diesem Bereich geben – umso mehr zählen in unseren Augen Qualität, Bewertung und ein ausreichend langer Anlagehorizont.