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Was ist geschehen?
Am Samstag, 28. Februar, begannen die USA und Israel mit gemeinsamen Luftangriffen auf den Iran. Zu den best?tigten Todesopfern z?hlt auch Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei. US-Pr?sident Donald Trump forderte einen Regimewechsel und warnte in den sozialen Medien, dass die Luftangriffe ?die Woche über – oder so lange wie notwendig – ununterbrochen fortgesetzt werden?. Am Sonntag sagte ein führender Vertreter des Weissen Hauses jedoch, dass US-Pr?sident Trump ?letztlich? bereit sei, Gespr?che mit einer potenziellen neuen Führung des Iran zu führen.
?ber den Tod von Chamenei hinaus wurden Berichten zufolge zahlreiche Führungspersonen des iranischen Milit?rs get?tet, so auch der oberste Kommandeur der iranischen Revolutionsgarde. Irans amtierender Pr?sident Massud Peseschkian bezeichnete den Einsatz als ?kriminellen Angriff? und das Korps der Islamischen Revolutionsgarde gelobte eine ?maximal vernichtende? Reaktion.
Da bisher kein Nachfolger von Chamenei angekündigt wurde, wird ein vorübergehender dreik?pfiger Verfassungsrat den Führungswechsel im Iran formal überwachen.
Die Gefechte zwischen Israel und dem Iran setzten sich fort. Raketenangriffe l?sten in ganz Israel Sirenenalarm aus und in Teheran wurden Explosionen gemeldet. Beide Seiten gaben an, dass es zu Todesf?llen gekommen sei. Im gesamten Nahen Osten sowie in milit?rischen Einrichtungen mit Bezug zu den USA wurden Raketen- und Drohnenangriffe gemeldet, sodass die Luftabwehr eingriff.
Die Angriffe führten auch zu St?rungen des Luftverkehrs in der Golfregion. Bedeutende Flugh?fen in Dubai und Doha stellten ihren Betrieb ein, wobei die Fluglinien Emirates, Etihad und Qatar Airways die meisten ihrer Flüge strichen. Reuters meldete, die Revolutionsgarden h?tten ?ltanker per Funk informiert, dass eine Durchfahrt der Strasse von Hormus nicht gestattet wird.
Am Wochenende waren die Energiem?rkte geschlossen. Die regionalen Aktienm?rkte waren indes am Sonntag ge?ffnet und gaben zwischen 2% und 5% nach.
Was erwarten wir nun?
Die Eskalation des schwelenden Konflikts zwischen den USA und dem Iran zu einem ausgewachsenen Krieg kam nicht unerwartet. In unserem Risk Radar vom 24. Februar hatten wir erl?utert, dass US-Angriffe auf den Iran im Rahmen unserer Erwartungen des Basisszenarios liegen.
Vor den Angriffen erreichten die Brent-Roh?lpreise am Freitag einen 7-monatigen H?chststand und der Goldpreis stieg auf USD 5277 je Feinunze. Damit lag er nur wenige Prozentpunkte unter seinem jüngsten Rekordschlusspreis.
Unser Basisszenario bleibt, dass es nur zu einer kurzen St?rung der weltweiten Energieversorgung kommen wird. Wir erwarten, dass sich ein m?glicher erster ?lpreisanstieg zumindest teilweise wieder umkehren wird, sobald klar ist, dass die Versorgungsst?rungen nur zeitweilig sind, kritische ?linfrastruktur nicht zerst?rt wird und ein fortgesetzter Milit?reinsatz weniger notwendig wird. In diesem Szenario k?nnten die M?rkte in den kommenden Wochen volatil sein. Doch danach ist es wahrscheinlich, dass sie sich wieder auf die positiven Fundamentaldaten der Weltwirtschaft konzentrieren werden. Dies würde im Einklang mit den Auswirkungen der meisten geopolitischen Schocks in der jüngsten Vergangenheit stehen.
Der Beginn der Angriffe vergr?ssert aber trotzdem die Wahrscheinlichkeit unseres negativen Szenarios, in dem eine nachhaltige St?rung der Energieversorgung gr?ssere Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und die globalen M?rkte haben wird. Zu derart negativen Ergebnissen kam es nach dem Jom-Kippur-Krieg im Jahr 1973 und dem Beginn des Kriegs zwischen Russland und der Ukraine im Jahr 2022. In den kommenden Wochen und Monaten werden wir mehrere Indikatoren genau beobachten.
- Werden die Energietransporte durch die Strasse von Hormus fortgesetzt? Dies ist die wichtigste Transportroute für ?l. ?ber ein Fünftel der weltweiten ?lnachfrage und fast ein Drittel der Schiffslieferungen passieren diese Meerenge. Dabei werden t?glich rund 21 Mio. Barrel aus dem Iran, dem Irak, Kuwait, Katar, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten an die weltweiten M?rkte verschifft. Gegenw?rtig gibt es Hinweise, dass Schifffahrtsgesellschaften die Durchfahrt vorsichtshalber eingestellt haben. Wir werden beobachten, ob die Transporte deutlicher gest?rt werden und wie lange eine solche Unterbrechung dauern k?nnte. In den Achtzigerjahren st?rte der Iran den Schiffsverkehr, indem er Minen im Wasser platzierte. In unserem Basisszenario ist der Iran nicht in der Lage, den Energietransport nachhaltig zu st?ren, da die milit?rischen M?glichkeiten des Landes nachgelassen haben, das US-Milit?r eine starke Pr?senz in der Region aufweist und der Iran selbst ?l exportieren muss.
- Welche Auswirkungen ergeben sich auf die Energieproduktion? Abgesehen von einer St?rung der Versorgung aus dem Nordirak wurde die ?lproduktion in der Region bisher fortgesetzt. Es gab auch Berichte, dass drei Tanker Sch?den erlitten haben, wobei eines dieser Schiffe der Schattenflotte des Iran angeh?rte. Die Opec+, ein Zusammenschluss ?lexportierender L?nder, vereinbarte am Sonntag, ihre F?rderquote im April um 206 000 Barrel pro Tag anzuheben. Wir werden jedoch im Auge behalten, ob iranische Vergeltungsschl?ge die Produktions- und Distributionskapazit?t anderer L?nder in der Region verschlechtern. Ein potenzielles Machtvakuum im Iran k?nnte darüber hinaus die iranische Energieproduktion mittel- und langfristig gef?hrden. Die iranische ?lproduktion (Roh?l und Erdgaskondensate) belief sich im Januar auf fast 4,8 Mio. Barrel pro Tag, was laut der Internationalen Energieagentur rund 4,5% der Weltproduktion darstellt.
- Wie rasch werden die USA und Israel ?einen Sieg verkünden? und wie schnell wird die F?higkeit des Iran zur Durchführung von Vergeltungsschl?gen abnehmen? Unser Basisszenario lautet, dass es zu keinem nachhaltigen Ausfall der ?lversorgung kommen wird. Dies ergibt sich teilweise aus dem bisherigen relativen Erfolg des Milit?reinsatzes der USA und Israels sowie aus einer wahrscheinlich raschen Verschlechterung der milit?rischen F?higkeiten des Iran. Wir sind auch der Meinung, dass sich die Trump-Regierung des innenpolitischen Risikos eines nachhaltigen Anstiegs der ?lpreise vor den US-Zwischenwahlen im November bewusst ist. Noch ist das iranische Regime aber an der Macht und es liegt in seinem Interesse, den Konflikt in die L?nge zu ziehen und die Energielieferungen zu st?ren, um dadurch Druck auszuüben. Solange dies der Fall bleibt, ist es m?glich, dass es zu einem l?ngerfristigen und disruptiven Konflikt kommen wird.
- Wie würde sich ein h?herer ?lpreis auf die Inflation und das Wachstum auswirken? Seit Jahrzehnten reagiert die Weltwirtschaft immer weniger empfindlich auf Schwankungen der ?lpreise, da die Energieintensit?t des Wachstums abgenommen hat. Trotzdem würde ein nachhaltiger Anstieg der Energiepreise die Wirtschaft belasten. Eine Analyse der Dallas Fed zeigt, dass ein Anstieg der Benzinpreise um 10% die PCE-Inflation im ersten Monat um 0,2 Prozentpunkte steigert (mit einer kumulierten Auswirkung von 0,3% bis 0,4%). Nach wenigen Monaten lassen die zus?tzlichen Auswirkungen aber rasch nach, wobei sich die US-Kerninflation kaum ver?ndert. Andere Studien kommen zu einem ?hnlichen Ergebnis. Selbst eine vorübergehende Schliessung der Strasse von Hormus, wodurch die ?lpreise noch st?rker steigen k?nnten, h?tte eine ?vergleichsweise moderate? Auswirkung auf die US-Inflation. Die USA w?ren als bedeutender Produzent indes weniger stark betroffen als Europa und Asien, deren Importabh?ngigkeit gr?sser ist.
Beim BIP-Wachstum würden h?here ?lpreise die Konsumenten und Unternehmen durch steigende Kosten belasten, ?hnlich wie bei einer Steuererh?hung. Die ?lm?rkte verfügen in der Regel über einen eigenen Korrekturmechanismus, wobei das Angebot bei h?heren Preisen steigt. Wir würden also nicht erwarten, dass ein Preiszuwachs eine anhaltende Wachstumsauswirkung haben würde. Falls die h?heren Preise jedoch fortbestehen, gehen wir davon aus, dass ?limportierende Volkswirtschaften eine Belastung von einigen Basispunkten erleben würden, die nach einigen Jahren wahrscheinlich wieder abnehmen würde.
Wir weisen auch darauf hin, dass ein Grossteil der iranischen ?lproduktion nach China exportiert wird, mit einem Anteil an den chinesischen ?limporten auf dem Seeweg von rund 13%. Eine betr?chtliche St?rung k?nnte daher eine potenzielle Belastung darstellen. Gleichzeitig gibt es aber auch Hinweise, dass sich China auf St?rungen vorbereitet hat. Es ist ebenfalls m?glich, dass andere L?nder und besonders die USA ihre strategischen Reserven freigeben, um kurzfristige Versorgungsschocks abzumildern.
- Wie werden die Zentralbanken auf h?here Energiepreise reagieren? Eine m?gliche Sorge für Anlegerinnen und Anleger besteht darin, dass ein Inflationsanstieg aufgrund der ?lpreise die führenden Zentralbanken zu Zinserh?hungen veranlassen k?nnte. Bekanntgaben der grossen Zentralbanken w?hrend der letzten Jahre deuten jedoch darauf hin, dass diese nicht übertrieben auf einmalige Preiserh?hungen reagieren m?chten – wie auch zuletzt bei den h?heren US-Z?llen. Trotzdem werden auch die Zentralbanken darauf achten, dass die Inflationserwartungen steigen k?nnten, insbesondere nach den Erfahrungen aus den Jahren 2022 bis 2023.
Wie sollte man anlegen?
In der Vergangenheit war die Auswirkung geopolitischer Schocks auf die M?rkte in der Regel nur von kurzer Dauer, solange sie sich nicht zu einem wirtschaftlichen Schock ausweiteten. Aus historischer Sicht war es keine rentable Strategie, sich im Zuge geopolitischer Konflikte unvermittelt zu einem Risikoabbau im Portfolio zu entschliessen. In ?bereinstimmung mit unserem Basisszenario, dass dieser Konflikt nicht zu einer nachhaltigen St?rung der Weltwirtschaft führen wird, sind wir der Meinung, dass sich Anleger auf die langfristige Entwicklung konzentrieren sollten. Es empfiehlt sich daher, in breiten Aktienindizes investiert zu bleiben und Volatilit?tsphasen zum Aufbau eines diversifizierten Portfolios zu nutzen.
Für eine Ausweitung der Rally positionieren. Es ist zwar m?glich, dass die Aktienm?rkte in ihrer ersten Reaktion auf die milit?rische Eskalation zu einer Risikoaversion übergehen. Das allgemeine Umfeld für Aktien bleibt unseres Erachtens aber positiv, weil das US-Wirtschaftswachstum robust ist, die Unternehmensgewinne stark wachsen und die Staatsausgaben weltweit hoch sind. Dies würde einen weiteren Anstieg vom gegenw?rtigen Niveau um 10% bis zum Jahresende 2026 unterstützen.
Neben weiteren Zuw?chsen der US-Indizes rechnen wir im Jahr 2026 mit einem zus?tzlichen Aufw?rtspotenzial in Europa, Japan, China und den Schwellenl?ndern. Eine globale Aktienallokation ist daher nach unserer Meinung attraktiv. Wir sind der Ansicht, dass Anleger mit konzentrierten Positionen in einzelnen Technologiewerten, in US-Technologie insgesamt oder mit einer starken regionalen Gewichtung die Gelegenheit nutzen sollten, um zu diversifizieren, sich bietende Renditen zu nutzen und Risiken zu begrenzen. In Europa bevorzugen wir über die Sektoren hinweg ?führende Unternehmen?. Dies beinhaltet Aktien aus dem Verteidigungssektor, die ein strukturelles Wachstum bieten und sich in einem unsicheren geopolitischen Umfeld auch als guter Portfolioschutz erwiesen haben. In der Asien-Pazifik-Region gehen wir davon aus, dass China (einschliesslich seines Technologiesektors), Indien, Australien und Japan w?hrend der n?chsten Aufw?rtsbewegung zu den Impulsgebern z?hlen werden.
Rohstoffe bevorzugen. Vor dem Angriff der USA und Israels auf den Iran hatte der Brent-Roh?lpreis bereits den st?rksten Zuwachs zum Jahresbeginn seit dem Jahr 2022 erlebt. Wir erkennen für Rohstoffe allgemein ein zus?tzliches Aufw?rtspotenzial im Jahr 2026, das sich haupts?chlich aus unserem positiven Ausblick für Metalle ergibt. Die rasche Entwicklung der Ereignisse im Nahen Osten macht unseres Erachtens aktiv verwaltete Rohstoffstrategien interessanter, was sich aus der gestiegenen Volatilit?t innerhalb der Rohstoffm?rkte ergibt.
Wir sind auch der Meinung, dass eine moderate Allokation in Gold im mittleren einstelligen Prozentbereich des Gesamtverm?gens zu einer besseren Diversifikation und einem gewissen Schutz vor geopolitischen Risiken führen kann.
Marktrisiken absichern. Die Angriffe der USA und Israels auf den Iran erinnern daran, wie wichtig eine diversifizierte strategische Verm?gensallokation ist, um das Marktrisiko zu verringern. Ein angemessenes Engagement in Qualit?tsanleihen und alternativen Anlagen wie Hedge Funds kann dazu beitragen, die Portfoliovolatilit?t zu verringern und die Auswirkung von Schocks zu begrenzen. Anleger sollten natürlich ihre F?higkeit und Bereitschaft einsch?tzen, Risiken im Hinblick auf alternative Anlagen einzugehen.
An den W?hrungsm?rkten ist nach den Ereignissen vom Wochenende eine kurzfristige St?rke vermeintlicher Zufluchtsw?hrungen (wie dem Schweizer Franken) und eine potenzielle Schw?che von zyklischeren W?hrungen m?glich. In unserem Basisszenario gehen wir jedoch davon aus, dass sich diese Kurs?nderungen wahrscheinlich nur als kurzfristig erweisen werden. Anleger k?nnen erw?gen, Verzerrungen bei W?hrungskursen zu nutzen, um ihre W?hrungsallokationen nach Bedarf neu zu gewichten.
