Die rasante Entwicklung der künstlichen Intelligenz (KI) ist längst nicht mehr nur ein Thema für US-amerikanische Tech-Giganten oder chinesische Innovationsführer. Auch in der Schweiz hält KI Schritt für Schritt Einzug in die Unternehmenslandschaft. Unsere unter rund 2500 Schweizer Unternehmen zeigt: Die Mehrheit begegnet KI nicht mit blinder Euphorie, sondern sieht sie als logische Fortsetzung der Digitalisierung. KI wird pragmatisch dort eingesetzt, wo sie echten Mehrwert stiftet – und das meist selektiv und anwendungsbezogen. Von einer Revolution kann also keine Rede sein, vielmehr erleben wir eine Evolution, die sich in den kommenden Jahren weiter beschleunigen dürfte.

Rund 60 Prozent der befragten Unternehmen nutzen bereits heute KI – bei Grossunternehmen ist der Anteil noch höher, während kleine und mittlere Unternehmen (KMU) etwas zurückliegen. Besonders verbreitet ist KI in der Informations- und Kommunikationstechnologie, bei Finanzdienstleistern und in der Pharmaindustrie. In Branchen mit hohem Anteil manueller Arbeit, wie Bau, Verkehr oder Textil, ist die Nutzung noch gering. Die häufigsten Anwendungsfelder sind die Unterstützung bei der Entscheidungsfindung (51 Prozent), die Verbesserung bestehender Produkte und Dienstleistungen (47 Prozent) sowie die Automatisierung von Geschäftsprozessen (37 Prozent). Nur 5 Prozent der Unternehmen sehen KI als Kern ihres Geschäftsmodells – wir sehen darin ein klares Zeichen für die selektive, aber zielgerichtete Nutzung.

Auffällig ist der enge Zusammenhang zwischen Digitalisierungsgrad und KI-Eignung: Unternehmen mit hoher Digitalisierung verfügen über strukturierte Daten, automatisierte Prozesse und eine leistungsfähige IT-Infrastruktur – ideale Voraussetzungen für den erfolgreichen KI-Einsatz. Gerade den KMUs in der Schweiz fehlt es hier oft noch an Ressourcen, Know-how und der Überzeugung vom konkreten Nutzen.

Trotzdem sehen die meisten Unternehmen in KI eher eine Chance als ein Risiko. Besonders Grossunternehmen und stark digitalisierte Branchen erwarten Produktivitätsgewinne, bessere Entscheidungsgrundlagen und Qualitätsoptimierungen. Das Kostensenkungspotenzial wird zwar auch erkannt, steht aber aktuell vielerorts nicht im Vordergrund – vielmehr geht es um Effizienz, Innovation und ein verbessertes Kundenerlebnis.

Natürlich gibt es auch Herausforderungen: Datenschutz- und Sicherheitsrisiken stehen ganz oben auf dieser Liste, gefolgt von der Sorge um fehlerhafte Entscheidungen durch mangelhafte Daten oder Algorithmen. Der Mangel an qualifizierten Fachkräften und hohe Implementierungskosten sind weitere Hürden. Dennoch planen rund die Hälfte der Firmen, ihre KI-Aktivitäten in den nächsten fünf Jahren auszuweiten, während nur 17 Prozent einen Rückzug erwägen. Die strategischen Prioritäten liegen bei der Datenanalyse, Automatisierung und Entwicklung.

Spannend ist der Blick auf den Arbeitsmarkt: Entgegen mancher Studien, die einen massiven Beschäftigungsabbau prognostizieren, erwarten Schweizer Unternehmen nur einen moderaten Rückgang. Mehr als die Hälfte rechnet mit einer stabilen Beschäftigung und viele sehen in KI eher eine Entlastung als einen Ersatz für Mitarbeitende. Allerdings steigen die Anforderungen an die Qualifikationen: IT- und Digitalkompetenzen, Kreativität und analytische Fähigkeiten dürften künftig noch wichtiger werden.

Was bedeutet das für Anlegerinnen und Anleger? KI dürfte auch in der Schweiz mehr und mehr Unternehmen betreffen. Die viel diskutierte Unterscheidung zwischen Unternehmen, die von der KI-Evolution profitieren, und solchen, die den Anschluss verpassen, dürfte entsprechend auch hierzulande an Relevanz gewinnen. Unsere Umfrage suggeriert auch, dass KI Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben könnte. Auch wenn nur ein moderater Rückgang der Beschäftigung erwartet wird, kann es eben doch ein Rückgang sein.

Die erwarteten Verbesserungen bei Produktivität, Entscheidungsfindung und Qualität, kombiniert mit tieferen Kosten, dürfte in der Tendenz all jenen Anlegern zugutekommen, die in Aktien oder Private Equity investieren von Unternehmen, die KI erfolgreich in ihre Produkte und Dienstleistungen integrieren. Die höhere Produktivität kann auch deflationär wirken, beispielsweise wenn Produktivitätssteigerungen und Kosteneinsparungen zu tieferen Gesamtlohnkosten führen. Für ein Land wie die Schweiz ist es so vorstellbar, dass KI das Tiefzinsumfeld unterstützt und damit auch strukturell zu anhaltend tiefen Renditen von Anleihen beiträgt. Anlageklassen wie Hedge Funds, Infrastruktur-Anlagen oder strukturierte Instrumente wie Reverse Convertibles dürften in einem solchen Umfeld weiterhin relevant als teilweises Substitut für traditionelle Anleihen im Fokus der Anleger bleiben.